Was ist der Satz von de Moivre?

(cos θ + i sin θ)ⁿ = cos nθ + i sin nθ
Äquivalent zu (e^iθ)ⁿ = e^(inθ). Formuliert von de Moivre 1707, über Euler 1748 bewiesen.

Der Satz von de Moivre besagt, dass das Erheben eines Punkts auf dem Einheitskreis in die n-te Potenz einfach seinen Winkel mit n multipliziert. Beginnt man bei Winkel θ und wendet die Operation n-mal an, landet man bei Winkel nθ. Das ist das geometrische Herz der Arithmetik komplexer Zahlen.

(cosθ + i sinθ)ⁿ: Das Potenzieren mit n vervielfacht den Winkel mit n
θ=40° z¹ = (cos40°, sin40°) z² = (cos80°, sin80°) z³ = (cos120°, sin120°) (cosθ + i sinθ)ⁿ = cos(nθ) + i sin(nθ)

Ausgehend von einem Winkel θ=40° auf dem Einheitskreis. Quadrieren verdoppelt den Winkel auf 80° (grün), Kubieren verdreifacht ihn auf 120° (rot). Der Punkt rotiert nur, sein Abstand vom Ursprung bleibt 1.

Der Satz folgt unmittelbar aus Eulers Formel e^(iθ) = cosθ + i sinθ. Hebt man beide Seiten in die n-te Potenz, erhält man (e^(iθ))ⁿ = e^(inθ) = cos(nθ) + i sin(nθ). De Moivre formulierte sein Resultat 1707, also 41 Jahre bevor Euler die Formel veröffentlichte, wodurch der Beweis eher wie Magie als wie Mechanik wirkt.

n-te Einheitswurzeln: Lösungen von zⁿ = 1
1 e^(iτ/6) -1 e^(-iτ/6) z⁶ = 1

Die sechsten Einheitswurzeln bilden auf dem Einheitskreis ein regelmäßiges Sechseck. Die n-ten Lösungen von z^n = 1 bilden immer ein regelmäßiges n-Eck mit gleichen Winkelabständen 2πk/n = τk/n.

Der Satz von de Moivre ist das Schlüsselinstrument zum Berechnen von Potenzen und Wurzeln komplexer Zahlen, zum Herleiten von Mehrfachwinkelformeln wie cos 3θ = 4cos³θ - 3cosθ und zum Finden der n gleichmäßig verteilten n-ten Wurzeln jeder komplexen Zahl. Er verbindet die Algebra komplexer Zahlen mit der Geometrie der Rotation.

Komplexe Multiplikation = drehen + skalieren: Winkel addieren sich, Beträge multiplizieren sich
z₁ θ₁=30° z₂ θ₂=50° z₁·z₂ θ₁+θ₂=80° |z₁|·|z₂| = moduli multiply. arg(z₁·z₂) = θ₁ + θ₂ De Moivre: (e^iθ)ⁿ = e^(inθ) multiplying n times adds angle n times

Beim Multiplizieren zweier komplexer Zahlen addieren sich ihre Winkel und ihre Beträge multiplizieren sich. Liegen beide Zahlen auf dem Einheitskreis, also mit Betrag 1, ändert sich nur der Winkel. n-maliges Multiplizieren addiert den Winkel n-mal. Genau das ist der Satz von de Moivre.

Chebyshev-Polynome

Der Satz von de Moivre zeigt, dass cos(n*theta) immer als Polynom in cos(theta) geschrieben werden kann. Das sind die Chebyshev-Polynome T_n: T_n(cos theta) = cos(n*theta). Zum Beispiel gilt cos(2*theta) = 2*cos^2(theta) - 1, also T_2(x) = 2x^2 - 1. Sie treten in der numerischen Analysis, im Filterdesign und in der Approximationstheorie auf.

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Gilt der Satz von De Moivre auch für nicht-ganzzahlige n?
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